Getarnt unter der Erledigung wichtiger, stadtspezifischer Aufgaben habe ich mir gestern einen Tag geschenkt – nur ich und sie. Wir haben uns schon wieder viel zu lange nicht richtig gesehen, glücklicherweise, denn dann bekomme ich immer dieses aufgeregte Herzklopfen – soviel zu sehen! Soviel los! Für einen Tag wirkt das wie Adrenalin auf mich, ich bin überwältigt von der Menge, dem Gewusel, den Geräuschen. Ich laufe altvertraute Wege ab, muss keinen Gedanken an die Orientierung verschwenden und kann ganz eintauchen. Als ich noch in der Stadt lebte habe ich das am liebsten mit Kopfhörer in den Ohren gemacht- meinen eigenen Soundtrack über den realen Klangteppich gelegt, alles durch diesen meinem Geschmack angepassten Filter wahrgenommen. Die Welt zu meiner Musik tanzen lassen.
Gestern hat es nicht gewirkt. Kein Tanz, kein Leben, alles in gedeckten Farben.
Dann hab ich die Stöpsel rausgenommen – da war es, das Gequietsche, Geschrei, Gemurmel, von allen Seiten gleichzeitig, jeder Ton versprach eine Geschichte, die interessant sein könnte wenn man ihr nur folgt, aber gleich zupft der nächste Schrei am Ohr. Und man lässt es bei der Versuchung und hört sich die nächste an. Ich bin ohne Musik weitergelaufen und habe mich dabei langsam aufgefüllt wie ein Dynamo am Fahrrad, ich habe gestrahlt, mein Herz hat glücklich gepocht, es war die kleine Alltagsversion vom Nirwana. Für ein paar Stunden.

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