Die holde Mamá in eine Kneipe geschleift, weil dort eine Funk-Bossa Nova-Band spielen sollte, was das holde Töchterlein gut findet, niemanden zur Begleitung hatte und dachte, Mutti wirds verkraften. Dann wars aber doch fast nur Jazz, und eine richtige Session, mit wechselnden Musikern und minutenlangen Soli- besorgter Blick der Tochter zur Mutter, hält sie es noch aus? Ogottogott, was für eine Idee von mir, sie wird nie wieder mitkommen.

Pustekuchen. Mutter wippt, Mutter strahlt, trommelt sacht den Kopf wiegend wechselnde Rythmen auf die Tischplatte und braucht nach eigenem Bekunden alles, nur keine töricht-töchterliche Nachfrage nach ihrem Befinden. Tochter blamiert sich bodenlos durch die Frage, ob sie die Stücke denn kennt – leicht hochgezogene Augenbrauen beim Kopfwippen indizieren das wortlose Ja und reduzieren den Sprössling zu versteckter Verlegenheitsröte – peinlichpeinlich. Widme ich mich lieber dem Rotwein und überlege, wie es kommt dass ich von dieser Musikvorliebe bisher nichts wusste. Bei der Zigarettenpause klären wir es dann: Großväterchen hat das alles gehört. Und sie natürlich mit. Und ich habe es irgendwie auch noch abbekommen, während der Rest unserer Familienwelt nur mit Geigen und Orgeln was anfangen kann. 

Noch mehr Wein, noch mehr Jazz, noch mehr gemeinschaftliches Kopfnicken, und ich schwimme auf einer Woge von Zärtlichkeit für meine Mutter, für uns, für diesen schönen unerwarteten Moment des gemeinsamen Genusses. Und denke jetzt, am nächsten Morgen, an all die Möglichkeiten das zu wiederholen.